Neuerscheinung

 

 

 

 

29

HITLERS PERSÖNLICHE GEFANGENE

Das vergessene Schicksal prominenter NS-Regimegegner

 

Die Nationalsozialisten hatten einen ausgeprägten Sinn für Ordnung, den sie den Gegebenheiten ihres staatlich-völkischen Prinzips stetig anpassten. Für sie waren Regimegegner, derer sie habhaft wurden und die sie dann einsperrten, nicht gleichgestellte Häftlinge. Die Gegner des Regimes wurden vielmehr in alle möglichen Kategorien unterteilt. Und danach richtete sich auch der jeweilige Vollzug der Freiheitsberaubung. Eine der absonderlichsten Maßnahmen gegen Oppositionelle war die Verhängung von "Sonder- oder Ehrenhaft" der SS, über die Volker Koop nun eine informative Studie verfasst hat. Allein  die euphemistischen Begriffe "Sonder - und Ehrenhäftlinge" spiegeln dabei den dezidierten Zynismus der Nationalsozialisten wider. (...)

 

Das Schicksal der "Sonder- und Ehrenhäftlinge" war bislang von der Histiographie wenig beachtet worden und ist kaum in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt. Das mag daran gelegen haben, dass die meisten dieser Häftlinge ihre Gefangenschaft überlebt haben. Jahre nach dem Krieg besuchten die belgischen Könige Baudoin und Albert das nunmehr demokratische Deutschland, wo sie ohne Verbitterung auch Schloss Hirschstein aufsuchten, also jenen Ort, an dem sie als Kinder gefangen gehalten worden waren. Volker Koop hat aufgezeigt, dass das Los der Hitlerschen Gefangenen neue Hinweise über die Rücksichtslosigkeit gibt, mit der die Nationalsozialisten ihr Terrorregime sichern wollten.

 

Theodor Joseph in: Jüdische Zeitung, Januar 2011

linie

"Sonder- und Ehrenhaft" im "Dritten Reich" - High Society im Goldenen Käfig

Zigaretten und eine Flasche Sekt am Tag: Den "Sonder- und Ehrenhäftlingen" der SS fehlte es an nichts - außer der eigenen Freiheit. Eingesperrt in Schlössern, Burgen und Nobelhotels fristeten berühmte NS-Gefangene im "Dritten Reich" ein luxuriöses Dasein. (...)

Dieses bislang wenig erforschte Thema der "Sonder- und Ehrenhaft" hat der Journalist und Historiker Volker Koop in einem neu erschienenen, sehr lesenswerten Buch aufgearbeitet.

Katja Iken in: einestages - Zeitgeschichten auf Spiegelonline.

 

Zum Artikel:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/21821/high_society_im_goldenen_kaefig.html?o=position-ASCENDING&s=0&r=48&a=21821&c=1

linie

Revealed: The 'five-star jails' use or Hitler`s illustrious prisoners of war

 

A new Book published in Germany today reveals the secret SS "luxury jails" that became home for prominent prisoners during the Second World War.

Historian Volker Koop reveals in detail the chain of the "five-star-jails" set up in castles, former luxury hotels and country estates.

 

Alan Hall am 19. März 2011 in: The Scotsman, Edinburgh

 

Zum Artikel:

http://thescotsman.scotsman.com/news/Revealed-The-39fivestar-jails39-used.6736675.jp
linie

Zum Thema "Sonder- und Ehrenhäftlinge" empfehle ich den folgenden Link:

http://en.wikipedia.org/wiki/Sonder-_und_Ehrenhaft

linie

Eingesperrt im Luxushotel

Mit Kognak und Zigaretten gedemütigt: Volker Koop schildert das Schicksal der "Sonder- und Ehrenhäftlinge" der SS

Die Nationalsozialisten in ihrem ausgeprägten Ordnungssinn schieden ihre Gegner in alle möglichen Kategorien. Eine der absonderlichsten Maßnahmen gegen Oppositionelle war die Verhängung von "Sonder- und Ehrenhaft" durch die SS, über die Volker Koop eine informative Studie verfasst hat. (...) Im Hinblick auf die "Sonder- und Ehrenhäftlinge" bekam das eindeutig-doppeldeutige Wort von der "Sonderbehandlung" eine ganz eigene Konnotation: Hitler in seiner losgelösten Omnipotenz hatte das Recht in seinem Sinne umgebogen und konnte mit Hilfe der SS seine Gegner auf brutalst mögliche Weise ermorden lassen. Er konnte seine Opfer jedoch unehrenhaft am Leben lassen.

Wie stets, wenn man sich mit dem Nationalsozialismus befasst, ist man verblüfft über die Perfektion, mit der das NS-Regime bis zum Schluss auch diesen Aspekt seines Terrorregimes plante und ausführte.

Ludger Heid, Neuzeithistoriker und Lehrbeauftragter an der Universität Duisburg, am 21. Februar 2011 in: Süddeutsche Zeitung

linie

Stalins Sohn und de Gaulles Nichte

Volker Koop über die "Ehren-" oder "Sonderhäftlinge" im "Dritten Reich"

Mehrere hundert "Ehren-" oder "Sonderhäftlinge" gab es im "Dritten Reich". Sie waren in Schlössern, Burgen und Hotels untergebracht, die der nationalsozialistische Staat zu diesem Zweck beschlagnahmte, oder aber auf dem Gelände von Konzentrationslagern, namentlich in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Der Platzbedarf war sehr groß, da man hochgestellte  Persönlichkeiten wie den belgischen König Leopold III. standesgemäß unterbringen wollte. Zugleich sollten die Häftlinge bewacht werdem, was zum Teil aufwendige Umbauten erforderlich machte. Auch Stalins Sohn Jakob befand sich in deutschen Gewahrsam, ebenso die italienische Prinzessin Mafalda, der frühere niederländische Ministerpräsident, der französische Premier, aber auch eine ganze Reihe von Deutschen. Nach dem Attentat vom 20. Juli wuchs der Platzbedarf noch einmal erheblich an, weil viele Familie von Attentätern in Sippenhaft genommen wurden.

Ein eigenes Kapitel ist in Volker Koops gut zu lesendem Buch der Verfolgung der Wittelsbacher gewidmet. Den Nazis war die fortdauernde Popularität des bayerischen Königshauses alles andere als geheuer. (...)

Die Welt der "Ehren-" oder "Sonderhäftlinge" ist ein weiteres, eher bizarres und bisher wenig beachtetes Kapitel in der Geschichte des Terrorregimes der Nationalsozialisten.  (...) Volker Koop gibt in seinem Buch einen guten Überblick, bleibt allerdings sehr im Faktografischen und versorgt den Leser mit einer Überfülle an Details. Die Analyse und Einordnung des Dargebotenen überlässt er dagegen dem Leser. (...) Aber wer mit der Fülle von Geschichten der verschiedenen Gefangenen zufrieden ist, kommt hier auf seine Kosten.

Ernst Piper in: Der Tagesspiegel, 6. Februar 2011

linie

Auswüchse der Willkürherrschaft

 

Der Begriff "Sonder- und Ehrenhäftling" entsteht Ende der 1930er Jahre. Wir finden ihn in den Unterlagen des Konzentrationslagers Ravensbrück ebenso wie in Äußerungen verschiedener Überlebender. Er ist ein weiteres Beispiel für den Zynismus der Nazis sowie für die sprachliche Wüstenei, die das sogenannte "Dritte Reich" eben auch hinterlassen hat. Insgesamt sind mit dem Begriff Gefangene gemeint, die man als Geiseln einsetzen oder an denen man eine besondere Rache praktizieren wollte.

Diesem Personenkreis hat nun der Zeithistoriker und Journalist Volker Koop, der sich bereits in mehreren Büchern mit verschiedenen Themen der Nazidiktatur beschäftigt hat, eine eigene Untersuchung gewidmet. Zunächst beschreibt er die verschiedenen Orte der Haft und stößt dabei auf erstaunliche Befunde. Während es im KZ Dachau einen bunkerartigen Bau für die Sonderhäftlinge gab, streng abgeschirmt vom übrigen Lager, ein Gefängnis in einem Gefängnis, gab es für diese im KZ Sachsenhausen außerhalb des eigentlichen Lagers vier freistehende Häuser, die sich kaum von den zeitgenössischen Einfamilienhäusern unterschieden. Gegen Ende des Regimes  wurden für die Sonder- und Ehrenhäftlinge sogar Schlösser und Hotels rekrutiert, wie das Hotel Ifen im Kleinwalsertal oder das berühmter Rheinhotel Dreesen.

Auf viele Merkwürdigkeiten, aber für die Willkürherrschaft bezeichnend, stieß Koop auch bei den Häftlingen selber, die er eingehend porträtiert. So konnte der ehemalige österreichische Bundeskanzler und Hitlergegner Kurt Schuschnigg seine Frau und sogar Hauspersonal mit in die Haft nehmen, dem belgischen König Leopold III. wurde gar ein kleiner Hofstaat erlaubt. Für die Kosten mussten die Bevorzugten indes fast immer selbst aufkommen. Selbst der Hitler-Attentäter Georg Elser erhielt Sonderrechte, wie etwa eine erheblich vergrößerte Zelle und die Erlaubnis, sich jederzeit in einer eigens für ihn eingerichteten Schreinerei betätigen zu können.

Trotzdem bewahrten diese Ausnahmereglungen Elser nicht davor, kurz vor Kriegsende ermordet zu werden. Sie führten sogar dazu, dass Elser nach dem Krieg in den Verdacht geriet, das Attentat im Auftrag der SS durchgeführt zu haben, um Hitler einen Kriegsgrund gegen England zu liefern. Koop geht diesen und auch anderen Verdächtigungen nach und widerlegt sie gewissenhaft und engagiert. Am Beispiel der sogenannten "Sonder- und Ehrenhäftlinge", zu denen auch einige "persönliche oder Privatgefangene" Hitlers wie Pfarrer Martin Niemöller, gehörten ebenso wie die von der Sippenhaft Betroffenen, lasst sich sehr einleuchtend die perfide Herrschaftsmethode von Zuckerbrot und Peitsche belegen, die mit ihrer allgemeinen Verunsicherung Furcht und Schrecken verbreiten sollte. Allerdings führte die permanente Ausnahmesituation auch dazu, dass einige NS-Größen nach dem Krieg und vor den alliierten Gerichtshöfen gerade die hier praktizierte, durchaus schillernde "Sonderbehandlung" als Wohltaten und sogar Widerstand gewertet wissen wollten. Meist jedoch, wie Koop nachweist, ohne Erfolg.

 

Heribert Hoven im Februar 2011 in: literaturkritik, Nr. 2, Politik und Geschichte

linie

WAS ES HIEß, "EHRENHÄFTLING" HITLERS ZU SEIN

Mehrere hundert Menschen hielt das Dritte Reich als "persönliche Gefangene des Führers". Ein Buch beleuchtet ihr Schicksal

 

Neben den Millionen KZ-Insassen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern gab es im Dritten Reich, besonders seit Beginn des Zweiten Weltkriegs, auch eine stark zunehmende Zahl von "Sonder-" oder "Ehrenhäftlingen", insgesamt mehrere Hundert. Sie wurden auf abgelegenen Schlössern oder Villen untergebracht, in requirierten Hotels oder in Sonderbereichen nahe der mörderischen KZ-Lager. Der Journalist und Historiker Volker Koop hat dieses bisher kaum beachtete Thema jetzt in einem sehr lesenswerten Buch aufgearbeitet.

 

Sven Kellerhoff in: Welt Online, 20. Dezember 2010

 

Zum Artikel:

http://www.welt.de/kultur/history/article11193010/Was-es-hiess-Ehrenhaeftling-Hitlers-zu-sein.html

linie

DER WILLKÜR SCHUTZLOS AUSGELIEFERT

 

Koops faktenreiches, sorgfältig recherchiertes Buch gibt nicht nur einen guten Einblick in die Willkürherrschaft der Nazis, sondern informiert auch sachkundig über das Schicksal von heute oftmals in Vergessenheit geratenen, damals prominenten Regimegegnern.

 

Georg Füchtner in: Oberbayerisches Volksblatt, 6. Dezember 2010

linie

Пленники с секретом

В нацистских тюрьмах сидели почетные узники

 

Анна Розэ, Берлин

 

"Российская газета" - Федеральный выпуск №5373 (294) от 28 декабря 2010 г.

 

 

В Германии вышла в свет книга немецкого публициста Фолькера Коопа "В руках Гитлера: особые и почетные пленники СС". С ее автором беседует корреспондент "РГ".

 

"Российская газета": Сколько "почетных пленников" содержал Гитлер?

 

Фолькер Кооп: Около шестисот, однако все данные о них держались в строжайшем секрете. Это были политики высокого ранга из оккупированных стран - Франции, Бельгии, Австрии, Голландии, Восточной Европы. Такие, например, как протестантский священник Мартин Нимёллер, которого Гитлер считал "личным пленником". Его и некоторых других узников фюрер приказал приговорить к пожизненному заключению. Президента Рейхсбанка Хьяльмара Шахта фюрер обвинил в предательстве, так как Шахт сначала финансово поддерживал нацистов, а потом перестал это делать.

 

РГ: Были ли среди "почетных узников" советские граждане?

 

Кооп: Были. Например, якобы племянник Молотова лейтенант Василий Кокорин. Или сын Сталина Яков Джугашвили. Они числились даже не "почетными", а "особыми пленниками". Оба содержались в концлагере. Но обменять того или другого на своих пленных военачальников Гитлеру не удалось. В моей книге есть фотография тела сына Сталина на колючей проволоке, по которой был пропущен ток высокого напряжения. По официальной версии Гитлера, Яков сам бросился на нее. Однако его убили, ведь на теле видны следы пуль.

 

РГ: По каким критериям Гитлер решал, кого куда поместить?

 

Кооп: Это происходило произвольно. Некоторые были помещены в концлагеря, но большинство отбывали плен в шикарных отелях, замках и санаториях, которые были отобраны у их собственников и превращены в филиалы концлагерей. Некоторые пленники имели право даже привести свою прислугу, однако должны были сами за все платить. Например, австрийский канцлер Курт Шушниг в концлагере Заксенхаузен жил в специально построенном доме между рядами колючей проволоки, но должен был оплачивать "казенный кошт". Сам Шушниг не имел права покидать концлагерь, хотя его жена могла даже ездить за покупками в Берлин. Почти все "почетные пленники" выжили. За исключением итальянской принцессы Мафальды и немецкого социал-демократа Рудольфа Брайтшайда, которые погибли во время бомбардировки союзниками концлагеря Бухенвальд. А также Якова Джугашвили и покушавшегося на Гитлера его "личного пленника" Георга Эльзера, которого фашисты расстреляли в последние дни войны.

 

РГ: Говорят, что Гиммлер в конце войны пытался использовать "почетных узников" как своеобразных заложников во время переговоров с союзниками. Однако из этой затеи ничего не вышло. Как вы думаете, почему?

 

Кооп: В апреле 1945 года союзники уже не сомневались в поражении Гитлера. У них не было причины торговаться, потому что вся Германия и так уже была оккупирована. Последние 127 пленников Гитлера, которые еще не сбежали сами или не были выпущены на свободу эсесовцами, были отправлены под конвоем в Австрию. Там их освободили американцы.

 

РГ: Какие архивы вы задействовали в своей работе? Были ли среди них секретные архивы спецслужб, министерств и ведомств? Все данные были в открытом доступе?

 

Кооп: Обычно по истечении определенного срока все архивы Германии открываются для общественного доступа. Я работал в сорока архивах - федеральных земель, районов и городов Германии, а также в архивах концлагерей. Среди них были и весьма необычные. Например, "Романтичный охотничий" отель в Габельбахе под Ильменау в Тюрингии. Оттуда я даже получил для моей книги фотографию тогдашнего голландского премьер-министра Хендрикуса Колийна и его жены Хелены. Она была сделана в последние годы его жизни во время вынужденного пребывания в отеле

linie

Dr. Anna Rose am 28. Dez. 2010 in: Rossijskaja gaseta, Moskau

Auszugsweise Übersetzung:

Gefangene mit Geheimnis

In Deutschland erschien das Buch des Publizisten Volker Koop " In Hitlers Hand - Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS". Mit dem Autor sprach Rossijskaja gaseta.

RG: Wie viele Ehrenhäftlinge gab es unter Hitler?

Koop: Etwa Sechshundert. Allerdings waren alle Informationen über sie äußerst geheim. Das waren Politiker aus den okkupierten Ländern - Frankreich, Österreich, Holland und aus Osteuropa, aber auch solche zum Beispiel wie der protestantische Pfarrer Martin Niemöller, den Hitler als seinen "persönlichen Häftling" betrachtete. Hitler hatte befohlen, ihn und andere Häftlinge lebenslang in Haft zu behalten. Den Präsidenten der Reichsbank, Hjalmar Schacht, hat der "Führer" des Verrats bezichtigt, da Schacht zuerst die Nazis finanziell unterstützt hat und dann nicht mehr.

RG: Waren unter den "Ehrenhäftlingen" sowjetische Staatsbürger?

Koop: Ja. Zum Beispiel ein vermutlicher Neffe Molotows, Leutnant Wasilij Kokorin. Oder Stalins Sohn Jakow Dschugaschwili. Beide wurde in einem Konzentrationslager festgehalten. Allerdings konnte Hitler weder den einen, noch den anderen gegen deutsche Häftlinge austauschen. In meinem Buch gibt es ein Fotos von Stalins Sohn auf dem mit Strom geladenen Stacheldrahtzaun. Nach der offiziellen Version hat Jakow sich selbst auf ihn geworfen. Allerdings wurde er umgebracht, denn bei ihm wurden Schusswunden gefunden.

RG: Nach welchen Kriterien entschied Hitler, wen er wo unterbringt?

Koop: Das geschah willkürlich. Manche wurden in Konzentrationslagern untergebracht, aber die meisten konnten ihre Haft in noblen Hotels, Schlössern oder Sanatorien verbringen, die ihren Eigentümern entwendet und zu KZ-Außenstellen gemacht wurden. Einige Häftlinge durften sogar ihr eigenes Personal mitbringen, allerdings mussten sie für alles selbst zahlen. Zum Beispiel wohnte der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg im Konzentrationslager Sachsenhausen in einem speziell gebauten Haus zwischen den Stacheldrahtreihen. Schuschnigg selbst durfte das Lager nicht verlassen, obwohl seine Frau sogar nach Berlin einkaufen fahren durfte.

Fast alle "Ehrenhäftlinge" haben überlebt. Außer der italienischen Prizessin Mafalda und dem deutschen Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid, die während eines Bombardements der Alliierten im KZ Dachau ums Leben gekommen sind. Gestorben sind auch Jakow Dschugaschwili und der Hitler-Attentäter und "persönliche Gefangene" Georg Elser, den die Faschisten in den letzten Kriegstagen erschossen haben.

RG: Man sagt, dass Himmler am Ende des Kriegs versucht hat, die "Ehrenhäftlinge" als eine Art Geiseln für Gespräche mit den Alliierten zu benutzen. Allerdings wurde dieses Vorhaben nicht verwirklicht. Was meinen Sie, warum?

Koop: Im April 1945 hatten die Alliierten keinen Zweifel an der Niederlage Hitlers mehr. Sie hatten deshalb auch keinen Grund zu feilschen, weil nahezu ganz Deutschland schon besetzt war. Die letzten 127 Häftlinge Hitlers, die noch nicht geflohen waren oder von SS-Männern nicht freigelassen wurden, wurden in einem Konvoy nach Österreich gebracht. Dort wurden sie von den Amerikanern befreit.

RG: Welche Archive haben Sie bei Ihrer Arbeit benutzt? Waren unter ihnen Geheimarchive der Geheimdienste, Ministerien und Behörden? Waren alle Daten frei zugänglich?

Koop: Überlicherweise werden in Deutschland alle Archive nach einer gewissen Zeit für die Öffentlichkeit freigegeben. Ich arbeitete in fast vierzig Archiven. Es waren überwiegend die Archive der deutschen Bundesländer, Kreise und Städte sowie der früheren Konzentrationslager. Unter den Archiven gab es sehr interessante. Zum Beispiel das Archiv des Romantischen Jagdhotels in Gabelbach bei Ilmenau in Thüringen. Daher habe ich auch ein Foto des damaligen holländischen Premiers Hendrikus Colijn und seiner Frau Helena für mein Buch bekommen. Es wurde in den letzten Jahren seines Lebens während des erzwungenen Aufenthalts im Hotel gemacht.

linie

ERSTAUNLICH UMFANGREICHES MATERIAL

 

Volker Koop hat bereits mehrere Bücher zu exotischen Themen aus der Geschichte des „Dritten Reiches“ vorgelegt. Nach Studien über den „Werwolf“ und die SS-Organisation „Lebensborn“ befasst sich seine neueste Veröffentlichung mit dem Schicksal jener prominenten Persönlichkeiten aus ganz Europa, die als Sonder- oder Ehrenhäftlinge von der SS gefangen gehalten wurden. Im Vordergrund stehen die Haftbedingungen an häufig wechselnden Orten sowie die Motive, aus denen heraus das NS-Regime diese Personen beiderlei Geschlechts zwar ihrer Freiheit beraubte, sie jedoch verglichen mit der Masse sonstiger KZ-Häftlinge weitaus besser behandelte, weshalb die meisten dieser Gefangenen die Haft überlebten.

Der Reigen der Prominenten spannt sich vom gescheiterten Hitler-Attentäter Georg Elser, einem Schreiner, bis zu gekrönten Häuptern (König Leopold III. von Belgien) und deren Familienangehörigen. Zum einen ging es dem NS-Regime darum, prominenter Gegner und/oder deren Verwandtschaft habhaft zu werden, um sie als Faustpfänder für erhoffte Verh andlungen mit den Alliierten verwenden zu können. Teils durch Zufälle, teils durch gezielte Fahndung waren so selbst engste Verwandte des englischen und italienischen Königs, Churchills, de Gaulles und Stalins in deutsche Hand gelangt. Deren pflegliche Behandlung wurde bis Kriegsende fortgesetzt, obwohl der erhoffte Nutzen nicht einmal ansatzweise eintrat. Eine zweite Gruppe bildeten einstige, dann abgefallene Verbündete wie der ungarische Reichsverweser Horthy, die für ihren „Verrat“ zwar durch Haft bestraft, mit Rücksicht auf ihre Bekanntheit im Ausland aber geschont werden sollten. Einst führende Politiker der von Deutschland annektierten bzw. besetzten Länder, darunter der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg sowie zahlreiche Franzosen, bildeten eine weitere Gruppe von Sonderhäftlingen. Zu diesen zählten, viertens, auch einige hochrangige Militärs feindlicher Staaten, bei denen Koop jedoch nicht darlegt, warum diese nicht als Kriegsgefangene galten. (...)

In Summe hat Koop in zahlreichen Archiven ein erstaunlich umfangreiches Material zu Tage gefördert, das er im Wesentlichen gut lesbar, ja spannend ausbreitet. Berührend sind die zahlreich zitierten Erlebnisberichte der Opfer, die deren Lebensumstände plastisch hervortreten lassen, während systematische Analysen der NS-Politik gegenüber diesen Personengruppen knapp ausfallen. Vermutlich gab es keine allgemeingültige Linie, sondern eine auf den Einzelfall abgestimmte, nicht selten auch sprunghaft wechselnde Behandlung der Sonderhäftlinge. Da deren Status niemals verbindlich definiert und geregelt wurde, belegt Koops Buch weniger die Brutalität, wohl aber die Willkür, mit der das NS-Regime mit Menschen verfuhr, die nur teilweise seine Gegner gewesen waren, während ein anderer Teil ohne eigenes Zutun, vornehmlich aus familiären Gründen (Sippenhaft), seine Freiheit verlor. Die privilegierte Behandlung der Sonderhäftlinge ändert nichts daran, dass die SS, aber auch das Auswärtige Amt und Hitler selbst, in ihnen lediglich ein Mittel zum Zweck sahen, sei es zur Herbeiführung von Verhandlungen oder für simple Erpressung.

 

Rezensiert von Martin Moll, Graz

linie

UMFASSENDE ANALYSE

 

Das Buch analysiert umfassend dieses bedrückende Kapitel deutscher Geschichte und vermittelt ein komplexes Bild dieses wenig bekannten Aspektes der NS-Repressionspolitik.

 

In den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau hielt die SS jahrelang Sonder- und Ehrenhäftlinge aus dem In- und Ausland gefangen. Daneben beschlagnahmte die SS zur Unterbringung hochrangiger Staatsgefangener auch Schlösser, Burgen und Hotels. Diese häufig streng isolierten Häftlinge hatten einen besonderen Status. Zu den Geiseln gehörten Politiker, Militärs, Industrielle, Geistliche, Angehörige des Adels und Juden, die entweder einflussreiche Verwandte im Ausland hatten oder aus ihrer Heimat verschleppt wurden.

 

Im KZ Buchenwald wurde u. a. der ehemalige französische Ministerpräsident Léon Blum gemeinsam mit seinen Landsleuten Édouard Daladier (dem ehemaligen Regierungschef) und Maurice-Gustave Gamelin (der frühere Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte) im SS-Falkenhof interniert. Weitere Sonder- und Ehrenhäftlinge befanden sich im ebenfalls hierfür im KZ Buchenwald errichteten Sonderlager Fichtenhain. Zu ihnen zählten u. a. der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Dr. Rudolf Breitscheid und die Tochter des italienischen Königs, Kronprinzessin Mafalda. Beide starben 1944 an den Folgen eines Bombenangriffes, bei dem das Sonderlager teilweise zerstört wurde.

 

Landesvertretung des Freistaats Thüringen

 

linie

 

Sie haben mit diesem Buch ein bisher „ausgelassenes“ Kapitel angeschnitten, das zeigt mit welcher Perfidie man im Dritten Reich vorging. Auch hiervon geht Mahnung an alle autoritären Keime der Gegenwart aus: “Wehret den Anfängen.“

 

H. M. Jebsen, Hongkong

 

linie

 

Schon das erste Blättern in dem Band zeigt, wie grandios Sie wieder einmal ein historisches Detail des Nationalsozialismus aufgearbeitet haben.

 

Prof. Dr. Rupert Scholz, Berlin