Neuerscheinung


19DAS SCHMUTZIGE VERMÖGEN

Ein hervorragend recherchiertes Werk, welches einen objektiven Kontrapunkt zur Veröffentlichung der Schweizer UEK aus 2001 (Interhandel - von Mario König) setzt. Die Schweizer warteten seinerzeit ebenfalls mit einer Fülle historischer Daten auf, erlagen jedoch der Versuchung, diese den eigenen, schweizerischen Interessen gemäß zu interpretieren. Koop bringt die Dinge in chronologischen und sachlichen Zusammenhang und lässt die Fakten für sich sprechen. Fazit: das lesens- und empfehlenswerte Werk zum Thema; Referenzklasse. Gehört in den Bücherschrank jedes zeitgeschichtlich interessierten Bürgers.!"

GfW Newsletter, November 2005
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DAS SCHMUTZIGE VERMÖGEN

Auf Grund neuer Quellen kommt Koop zum Schluss, Interhandel sei bis 1945 getarntes deutsches Auslandsvermögen geblieben und hätte folglich nicht an die Schweiz fallen dürfen.

Sein Schlüsseldokument ist ein Vertrag, der 1950 direkt zwischen der US-Filiale der IG Farben und dem Agfa Camera-Werk München (Ex-IG-Farben) ausgehandelt wurde. Konnte Interhandel hier übergangen werden, so Koop, dann kann die US Farbenfiliale, deren Aktien Interhandel besaß, nicht schweizerisch gewesen sein.

Im Unterschied zu Koop geht die vom Historiker Mario König verfasste Interhandel-Studie der Bergier-Kommission davon aus, Interhandel sei 1940 rechtlich einwandfrei eingeschweizert worden und das (Teil-)Vermögen der Interhandel rechtens in der Schweiz geblieben.

Koop aber fordert von der UBS weitere Entschädigungszahlungen an Holocaust-Opfer. Von der UBS, weil ein Teil des Interhandel-Vermögens 1966 bei der UBS-Vorgängerin Bankgesellschaft gelandet war. Wer hat Recht - Koop oder König?

Die Antwort liegt in unterschiedlichen Geschichtsbildern. König schreibt Schweizer Geschichte. Er untersuchte, ob Interhandel nach 1940 gemäß Schweizer Recht schweizerisch war. Dass Interhandel auch später von nazifreundlichen Vertrauensmännnern kontrolliert wurde, weiß er. Diese konspirative Form von Unternehmenskontrolle bleibt ihm jedoch zweitrangig, weil formaljuristisch nicht fassbar.

Koop schreibt Holocaustgeschichte. Er sucht die materiellen Reste von IG Farben, Mitbetreiberin von Auschwitz, um sie den Opfern zu geben. Dass Interhandel 1940 rechtlich eingeschweizert wurde, ist zweitrangig, weil die Firma de facto weiterhin von loyalen Schweizer Geranten kontrolliert wurde.

Obwohl schwer lesbar, ist Koops Buch ein valabler Beitrag zur Schweizer Finanzgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Gian Trepp, SonntagsZeitung, 2. Oktober 2005
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DA STIMMTE DIE CHEMIE

Der Kampf um ihre Freigabe (der GAF-Aktien) sollte ich zum Dauerkonflikt entwickeln, weil der schweizerische Charakter der als 'Mutter' der G.A.F. firmierenden, 1945 in 'Interhandel' umbenannten Basler Holdinggesellschaft amerikanischerseits beharrlich bestritten wurde. Nachdem die Aktienmehrheit an 'Interhandel' 1958 in den Besitz der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) übergangen war, büßte der Verdacht, dass man es mit einer bloßen Tarnfirma zum Schutz effektiv deutschen Eigentums zu tun habe, an Plausibilität ein. Gleichwohl bedurfte es noch der Türöffner-Dienste eines besonders gut plazierten Lobbyisten, des Kennedy-Schwagers Stanislaus Radzwill, um schließlich eine außergerichtliche Beilegung des leidigen Zwistes zu ermöglichen. [...]

Mit dem hier skizzierten Handlungsablauf ist nur der wichtigste, der schweizerisch-amerikanische, Erzählstrang in Koops facettenreichem Narrativ grob vereinfachend wiedergegeben. Zur Darstellung kommen in einem Buch auch die - nicht allzu energischen - Bemühungen der bundesdeutschen Nachkriegsdiplomatie um die Rückgabe der in den Vereinigten Staaten beschlagnahmten deutschen Vermögenswerte. Das einschlägie Kapitel, aus Primärquellen erarbeitet, gehört zu den gründlichst recherchierten des Werkes. ...

Paul Stauffer, FAZ.NET.Politik, 12. Oktober 2005