Neuerscheinung
 
  23ARGUMENTE MIT ÜBERZEUGUNGSKRAFT

Für den Westen Deutschlands beginnt der wundersame Wiederaufstieg vom absoluten politischen und moralischen Nullpunkt des Frühjahrs 1945 mit der Besatzung.

Der Journalist Volker Koop hat sich der großen Aufgabe angenommen, die Politik aller Besatzungsmächte 1945 bis 1949 zu vergleichen. Sein Buch zeigt, wie sich die Erfahrung der Briten als Kolonialmacht auf das Besatzungsregiment auswirkte. Und wie die Londoner Regierung ihrer Bevölkerung große Opfer zumutete, um die Deutschen im Nordwesten halbwegs ausreichend zu versorgen.

Koop kommt zum Schluss: „Die Deutschen, die in der britischen Besatzungszone lebten, hatten es am besten getroffen." Das überrascht, denn bislang galt die Wahrnehmung der meisten Zeitzeugen, dass eher die US-Zone diesen Rang verdient hätte. Doch Koops Argumente haben viel Überzeugungskraft.

Die Welt 10. November 2007
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KURZ UND BÜNDIG

Wussten Sie, dass Nordrhein-Westfalen eine Gründung der britischen Besatzungsmacht ist? Der Hintergrund: Das Ruhrgebiet wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Politikum, weil Frankreich und die Sowjetunion eine Internationalisierung anstrebten. Nachzulesen ist diese spannende Geschichte in dem neuen Buch von Volker Koop über die britische Besatzungspolitik in Deutschland. Dabei hatten es die Deutschen in der britischen Besatzungszone wohl noch am besten getroffen, schreibt Koop. Und er nennt vor allem zwei Gründe: Die Erfahrungen der Briten aus der Kolonialzeit und die strenge publizistische Kontrolle durch die britische Presse, die sorgfältig darauf achtete, dass es nicht zu Menschenrechtsverletzungen kam. Ein interessantes Buch vor allem für jüngere Leser.

Deutschlandradio, Kultur, Lesart, 9. Dezember 207
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VERBLASSTE FUNKTION ALS BESATZUNGSMACHT

Koop schildert die Politik der brtischen Besatzungsregierung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Obwohl Großbritannien vor und nach dem Krieg in großem Maße von den USA abhängig gewesen war, verfolgte die Londoner Regierung durchaus eine unabhängige Besatzungspolitik. Sie bezog wie etwa im Fall des Morgenthau-Plans zuweilen sogar offen Position gegen den Bündnispartner.

Die Arbeit der Besatzungsregierung war auch immer Gegenstand innenpolitischer Debatten in Großbritannien, so wurde beispielsweise über das "Re-Education"-Programm debattiert. Koop zufolge war die britische Besatzungspolitik wesentlich spektakulärer als sie schien. Dies betrifft unter anderem die Flüchtlingsfrage in Schleswig-Holstein oder die Frage der Internationalisierung des Ruhrgebiets, das der britischen Besatzung unterstand.

Trotz des Stolzes der britischen Siegermacht und einzelner Übergriffe gegen Zivilisten, schlussfolgert Koop, dass "es die Deutschen, die in der britischen Besatzungszone lebten, am besten getroffen hatten". Heiute sei Großbritanniens vormalige Funktion als Besatzungsmacht im deutschen Bewusstsein längst verblasst.

Zeitschrift für Politikwissenschaft, 11. September 2008

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NUN SIND DIE ENGLÄNDER DRAN

Mit seinem neuen Buch über die Besatzungspolitik Großbritanniens von 1945 bis 1955 schließt der Journalist Volker Koop seine Reihe mit dem Obertitel „Besetzt" über die Geschichte der Besatzungszeit der Westmächte ab, nachdem er sich in den vergangenen Jahren mit der französischen und der US-amerikanischen Zone beschäftigt hatte. Wer sich über die Jahreszahl 1955 wundert, gibt es doch schon seit 1949 bereits eine Bundesrepublik Deutschland, der möge sich daran erinnern, daß diese Bundesrepublik noch nicht souverän war. Das Besatzungsstatut, mit dem sich die Besatzer Sonderbefugnisse bezüglich Außenpolitik, Aufsicht über die Ruhr, der von den Deutschen zu zahlenden Reparationen sowie der naturwissenschaftlichen Forschung vorbehalten hatten, endete erst 1955.

Mit seinem Buch schließt Koop eine Lücke, gab es doch bislang noch keinen sich an den allgemein Interessierten wendenden Überblick über dieses wichtige Kapitel der deutschen Geschichte. Auch die britische Besatzungspolitik macht deutlich, daß die Sieger des Zweiten Weltkrieges kein Konzept hatten, was sie mit dem besiegten Deutschland anfangen wollten. Es ging ihnen allein darum, Deutschland zu zerschlagen. Die Briten begründeten das mit der Behauptung, die „Junkerkaste" sei der Hort des „Militarismus" und Preußen der Herd aller Kriege gewesen, und was der unsinnigen Behauptungen mehr waren. Angenehm berührt, daß Koop in keinem seiner Bücher behauptet, die Siegermächte hätten Deutschland „befreit". Er schreibt sachlich richtig von deutschen „Niederlagen" und vom stark ausgeprägten Rachebedürfnis der Siegermächte. So war denn auch zunächst die britische Besatzungspolitik von Haß bestimmt. In einer persönlichen Botschaft des britischen Oberbefehlshabers Montgomery wurde den Deutschen verkündet, sie seien ein schuldiges Volk, das jetzt umerzogen werde. Es war den Besatzungssoldaten ebenso verboten, einem Deutschen die Hand zu geben wie mit ihnen zu sprechen. Juristisch vertrat Großbritannien die Ansicht, durch die Kapitulation der deutschen Wehrmacht sei keineswegs das Deutsche Reich untergegangen. Es existiere vielmehr fort. Zur Zeit sei die Regierungsgewalt lediglich auf die Besatzungsmächte übergegangen.

Sogleich ging man daran, im Sinne der Umerziehung zunächst aus den Behörden. Schulen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen, später auch aus der Wirtschaft alle Personen zu entfernen, die nach Ansicht der Besatzungsmacht politisch belastet waren. Sie wurden ersetzt durch Personen, deren Qualifikation darin bestand, daß sie wirklich oder angeblich Gegner des Nationalsozialismus gewesen waren. Das führte dazu, daß - wie auch in der US-Zone - bald größte Schwierigkeiten auftraten, woraufhin die strikte Entnazifizierungspolitik gelockert werden mußte. Die Zeitungen waren zunächst ausschließlich in den Händen der Besatzungsmacht, und auch als 1947 die Militärregierung deutschen Antifaschisten Lizenzen für Zeitungen erteilte, durften zunächst nur Meldungen veröffentlicht werden, die den Besatzern paßten. Volker Koop meint, daß Axel Springer dabei Hauptgewinner war, weil er „Die Welt" als Organ der Militärregierung verlegen durfte.

In den Kinos wurden lediglich britische Filme, zum Teil mit deutschen Untertiteln, gezeigt sowie speziell für die Besiegten hergestellte Wochenschauen. Kirchen, Parteien, darunter zunächst auch die Kommunisten, und Gewerkschaften erhielten den Auftrag, die Deutschen im Sinne der Besatzungsmacht umzuerziehen. Die Deutschen mußten Fragebögen mit 133 Fragen ausfüllen, darunter auch jene, was der Betreffende 1932 gewählt habe. Danach wurden sie in fünf Kategorien eingeteilt von „entlastet" bis „hauptschuldig" und gegebenenfalls vor dubiose Entnazifizierungsgerichte gestellt. Die Briten hatten genauso wie die Amerikaner, Franzosen und Sowjets Internierungslager eingerichtet, in die etwa 60 000 Personen eingeliefert  wurden,  welche die Besatzungsmächte automatisch arretierten und teils jahrelang festhielten, meist ohne Anklage und ohne Urteil. Die Städte in der britischen Zone waren meist zerstört. Und in diese Zone waren Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen geströmt, die ebenso wenig eine Unterkunft hatten wie die Ausgebombten. Sie vegetierten in Not-und Massenunterkünften. Nachdem die Besatzungsmacht auch die noch intakten Strukturen lahmgelegt hatte, brachen bald bedrohliche Zustände aus.

1946 fehlten 600000 Tonnen Brotgetreide. Es gab keine Kartoffeln geschweige denn Fleisch. Die tägliche Fettration belief sich auf sieben Gramm. Nach den ausgegebenen Lebensmittelkarten betrug die Tagesration theoretisch 1000 bis 1200 Kalorien. Die Lage verschummerte sich gegen Jahresende. In einigen deutschen Zeitungen wurden die Rationen mit denen in den ehemaligen KZ verglichen, woraufhin die Briten die Zeitungen verboten. Im November appellierte der nord-rhein-westfälische Landtag an die Welt, wenn keine Hilfe käme, würde „ein Millionenvolk zugrunde gehen". Dem einzelnen standen nur noch 900 Kalorien täglich zur Verfügung, und das bedeutete den Hungertod. Bergarbeiter, Beamte und Werftarbeiter streikten. Es gab keinen Brennstoff - die im Ruhrgebiet geförderte Kohle wurde größtenteils als Reparation ins Ausland gebracht.

Die deutschen Wälder wurden systematisch abgeholzt, weil das Holz gebraucht wurde für den britischen Bergbau. Tuberkulose begann zu grassieren. Wer sich nicht über Gesetze hinwegsetzte und auf eigene Faust versorgte, etwa auf dem schwarzen Markt, durch das Hamstern bei Bauern, den Tausch von Wertsachen gegen Kartoffeln, Milch oder gar Fett sowie wohl auch durch Klauen von Brennstoffen und so weiter, dessen Leben war in höchster Gefahr. Die Sieger hatten nichts Wichtigeres zu tun, als auf englische Initiative im Februar 1947 Preußen als „Träger des Militarismus und der Reaktion" aufzulösen. 700 000 deutsche Patente wurden von britischen Spezialeinheiten gestohlen und an britische Firmen weitergegeben. In Schlössern und Herrenhäusern stahl die Besatzungsmacht Kunstwerke und Schmuck, wobei man auch keine Rücksicht darauf nahm, daß manche Besitzer mit dem britischen Königshaus verwandt waren.

Inzwischen begriffen auch die Sieger, daß die unheilige Allianz zwischen Bolschewismus und Kapitalismus keinen Bestand haben konnte. Es waren die Amerikaner, die ihren beiden westlichen Verbündeten klarmachten, daß man ohne die Deutschen gegen die Sowjetmacht kaum bestehen könne. Amerikaner und Engländer bildeten aus ihren beiden Zonen die Bi-Zone, um die deutsche Wirtschaftskraft zu fördern. Trotzdem bombardierten die Engländer weiter Helgoland, von dem sie behaupteten, die Insel sei „eine Bedrohung Großbritanniens". Dann wollten sie Helgoland mit einer Riesensprengung total vernichten, was mißlang. Erst als im Dezember 1950 deutsche Studenten die Insel besetzten, um gegen den Wahnsinn zu protestieren, hörte die Bombardierung auf. 1952 wurde Helgoland an Deutschland zurück gegeben. Alles in allem ein hoch interessantes Buch! Man erkennt, wie wenig weise die Politiker auch Großbritanniens waren.

Von Hans-Joachim von Leesen, Preußische Allgemeine Zeitung,  9. Februar 2008
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LESERBRIEFE

 

Es ist ein Verdienst des Autors und des Verlages, ein so heikles Stück Zeitgeschichte ungeschminkt und unter Hinzuziehung umfangreichen Quellenmaterials auch objektiv aufgearbeitet zu haben. Bedauerlich ist allenfalls, dass es nicht mindestens zwanzig Jahre früher erschien, denn dann hätte es noch mehr Menschen erreicht, die von den geschilderten Geschehnissen unmittelbar betroffen waren, ohne dass sie die Hintergründe jeweils erkennen konnten.

Erika B., 51427 Bergisch Gladbach

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Stark beeindruckt von Ihrer bisherigen Leistung in Sachen Zeitgeschichte möchte auch ich Ihnen wenigstens mit Hinweisen auf Primär- und Sekundär-Literatur dienen.

Eric H. S., 53173 Bonn
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Lieber Herr Koop,
als ich im Oktober bei einer Berliner Buchhandlung war, habe ich das Buch "Besetzt" gekauft. Es ist ein sehr gut recherchiertes Buch, das ich mit großem Interesse gelesen habe.

Obgleich ich viel über die Vierziger in Deutschland schon kenne, hatte ich wirklich keine Idee was jederman am Ende des Krieges durchmachen mußte. Dank Ihnen, habe ich viel gelernt.

Es ist mir immer ein Wunder, da? zwischen dem Ende des Krieges und meiner Ankunft im Jahre 1954 in Deutschland so wunderbare Fortschritte gemacht wurden. In "meinem" Goch z.B., konnte man nur wenig Beweis der fast totalen Zerstörung der Stadt finden.

Das erste mal das ich in Deutschland war, war im Jahre 1947, als meine Eltern und ich in die Tscheslowakei gefahren sind. Wie die Zustände so schlecht waren, hatten wir einen militärischen Paß nur durchgefahren.

Während unserer Reise von Diekirch an der Luxemburger Grenze aus nach Karlsbad, haben wir viele besorgnis erregende Sachen gesehen und bald erkannt, da? die meisten Leute in Kellern u.s.w. wohnen mußten. Solche Szenen vergesse ich nie!

In der Mitte jenes Tages, als wir irgendwo auf dem Lande waren, haben wir entdeckt, da? unser Auto Wasser brauchte. (Im August, 1947!!!) Mein Vater, der böse darauf war, ist sofort herausgesprungen und längs der einsamen und kurvenreichen Straße gegangen. "Er kann aber kein deutsch sprechen!" dachte ich mir und habe mich nach ihm beeilt. Kein Haus und niemanden konnten wir sehen aber in der Ferne war ein Dörfchen, wo wir endlich mehrere in einem Schwimmbad umhertollende lustige Jungen gesehen haben. Ein beistehender alter Mann hat uns bald geholfen.

Mehrere unerwartete und teils beunruhigende Abenteuer hatten wir an jenem Tag. Das ist aber eine sehr lange Geschichte!

Von 1954 bis 1958 arbeitete ich in Nordrhein-Westfalen, wo ich in drei verschiedenen B.F.E.S Schulen britische Kinder lehrte.
1. einige Wochen lang in der Nähe von Gedenkirchen, nicht weit von Aachen entfernt.
2. zwei Monate lang in Essen im jetzt abgerissenen Haus eines früheren Bürgermeisters und wo einmal Quisling Gast war.
3. auf dem militärischen Laarbrücker Flugplatz (in der Schule natürlich!)

Zu dieser Zeit wohnte ich (und acht andere junge Lehrerinnen!) in Goch, einer Marktstadt, Kreis Kleve. Bald haben eine andere Schottin und ich durch den Herrn Pfarrer der dortigen evangelischen Kirche fünf deutsche Damen kennengelernt, die englisch lernen wollten. (Die komische Sache war, daß sie katholisch waren!) Das hat uns viel Spaß gemacht.

Während jener Zeit und der letzten 15 Jahren habe ich in Deutschland viel gereist und hatte es als mein zweites Heimatland. Leider bin ich nicht länger feucht hinter den Ohren (i`m no spring chicken!) und weiß, da? ich bald mein Lebewohl sagen muß.
Nochmals vielen Dank für Ihr ausgezeichnetes Buch. Nur zwei Sachen haben mich ein bisschen geärgert!
1. Als "englisch" statt "britisch" geschrieben wurde. (Vergessen Sie nicht, daß ich Schottin bin!) Das haben Sie  sich selbst nicht gesagt, sondern nur andere Leute zitiert.
2. Ich mußte darüber ironisch lachen, als Sie erklärten, da? die Briten sich immer sehr bequem machen wollten und ds es auch einige gabe, die wie die Fürsten residieren wollten und das die schönsten Villas und Hotels requiriertenwurden. Was sonst hätten Sie von irgendeiner Besatzungsarmee erwarten können?!!!

Wenn Sie nur ein ähnliches Buch über die frühere russische Zone schreiben würden, würde das sehr interessant sein. Ich habe immer großes Interesse an der früheren DDR gehabt und habe auch viel über das Leben der Leute herausgefunden, die den Russen nicht geholfen haben.Im Jahre 1966 habe ich Buchenwald besucht, wo unser kommunistischer Führer sehr vorsichtig war, uns nicht zu erzählen, da? die Russen selbst einige Jahre lang dieses Lager als Gefängnis auch benutzt hätten.Das habe ich später bei der hiesigen Bibliothek herausgefunden!
In 2003 war ich bei dem jetzigen Museum - dem früheren Stasi Hauptquartier an der Runden Ecke in Leipzig. Das hat mir die Augen geöffnet!

Ein Jahr später war ich beim Stasi Gefängnis in der Genster Straße Berlins. Ich bin eine sehr neugierige Frau!

Und jetzt komme ich zum Ende dieses ganz langen Briefs. Hoffentlich habe ich Sie zu Tode nicht gelangweilt!

 

Viele freundliche Grüße von

Doris Ann Brice, Montrose, Scottland 17.01.2008

P.S. Montrose ist eine Stadt an der Ostküste Schottlands, ungefähr hundert Meilen im Norden von unserer Hauptstadt, Edinburgh.