Neuerscheinung


ERKENNTNISSE ZUR KRIMINALITÄT DER SOWJETISCHEN ARMEE IN DER DDR

shimbun "The Yomiuri Shimbun", Tokyo, größte japanische Tageszeitung, am 26. Dezember 2010 über Volker Koops Erkenntnisse zur Kriminalität der sowjetischen Armee in der DDR:

 

Die DDR gibt es nicht mehr - Aber die Trauer ist noch da

Drögen. Ein kleiner Ort nördlich von Berlin. Es ist das Jahr 1987, im Juni. Von den sowjetischen Soldaten, die in der DDR stationiert sind, sind etwa 2000 hier in einer Kaserne untergebracht.

Gegen 17 Uhr hört Horst Baer zwei Schüsse. Erst Stunden später erfährt er, dass es seine Söhne waren, die wie so oft zur Kaserne gegangen waren, um auf dem Gelände außerhalb des Zaunes Metallteile zu sammeln, die Soldaten achtlos über den Zaun zu werfen pflegten. Ein Wachtposten hatte sie erschossen. (...)

Der Journalist und Autor Volker Koop (Zwischen Recht und Willkür - Die Rote Armee in Deutschland) gehört zu den wenigen, die sich auch mit Straftaten auseinandergesetzt haben, die durch die Soldaten der sogenannten GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) verübt wurden. Im Interview sagt er: "Zwischen 1976 und 1989 wurden 27.500 Straftaten und Verkehrsunfälle durch die sowjetischen Soldaten verursacht, davon 51 mit Todesfolge und 705 Vergewaltigungen." Die Straftäter unterstehen damals theoretisch der DDR-Militärgerichtsbarkeit, doch die allermeisten Fälle werden nicht von deutscher Seite untersucht, sondern direkt der sowjetischen Militärgerichtsbarkeit übergeben. (...)

In diesem Jahr sind 20 Jahre seit der Deutschen Einheit vergangen. 20 Jahre, in denen die Bundesrepublik sich um die Vergangenheitsbewältigung durchaus bemüht hat. Sie hat z.B. das SED-Opferentschädigungsgesetz in Kraft gesetzt, das politisch Verfolgten und Inhaftierten unter dem SED-Regime eine Opferrente zuspricht. Während also Hinterbliebenen von Mauerflüchtlingen, die auf ihrer Flucht von NVA-Grenzsoldaten erschossen wurden, eine Wiedergutmachungsleistung zusteht, haben die Opfer der Sowjetsoldaten keine Chance auf Entschädigung. (...)

"Die Sowjetunion, die DDR, die Bundesrepublik - Niemand hat mir eine Erklärung gegeben und von keiner Seite kam auch nur ein Wort des Bedauerns", beklagt sich Horst Baer. Sein Verlust und seine Trauer sind ein Stück unbewältigter Vergangenheit.

Norihide Miyhoshi, Chefkorrespondent

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TV.Berlin, Interview mit Peter Brinkmann am 12. Januar 2011:

Der Autor Volker Koop gehört zu den einfrigsten Berliner Schriftstellern. Über zwanzig Bücher hat er bereits geschrieben . Historische Bücher über Berlin und Deutschland. Zum Video gelangen Sie über diese Adresse:

www.tvbvideo.de/video/iLyROoafzMls.html

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DEUTSCHLAND UNTER DEN ALLIIERTEN

In vier voneinander unabhängigen in sich thematisch geschlossenen Bänden stellt der Journalist Volker Koop die Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die Besatzungspolitik der Alliierten dar. Wie er in seinen Einleitungen aufzeigt, übernimmt er dabei im Wesentlichen die Perspektive der Deutschen. Die Einzelbände sind jeweils einer Besatzungsmacht gewidmet.

 

Die Bände sind weitgehend analog gestaltet: In der Einleitung weist Koop auf „Besonderheiten“ der Beziehung zwischen Besatzungsmacht und Besetzten hin, erläutert seinen wissenschaftlich-schriftstellerischen Ansatz und relativiert damit zugleich den Anspruch, eine vollständige und erschöpfende Gesamtdarstellung der Besatzungsjahre zu liefern. Die Abfolge der einzelnen Kapitel berücksichtigt jeweils die Chronologie der Ereignisse, aber lässt auch Detailanalysen zu, die dem Leser helfen, sich in die Situation und an die Stelle der Betroffenen zu versetzen. Das letzte Kapitel resümiert jeweils und bietet zugleich einen Ausblick darauf, wie sich die „Qualität“ der Beziehung zwischen Deutschen, den beiden deutschen Staaten und den ehemaligen Besatzern entwickelte.

 

Die Bände eignen sich als Übersichtslektüre für Kolleginnen und Kollegen, aber auch sehr gut für Oberstufenschüler, die Facharbeiten und Referate vorbereiten: Alle vier Bücher lassen sich aufgrund ihres journalistischen Stils leicht und schnell lesen; sind gut recherchiert, erfüllen die Anforderungen einer wissenschaftlichen Publikation und bieten inhaltlich eine „ausgewogene Mischung“ aus Politik-, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Auch ist es dem Autor gut gelungen, unterschiedliche Perspektiven einzubinden – nämlich Sachverhalte aus der Sicht der Besatzungsmächte und der Behörden zu beleuchten und diese um die Wahrnehmung, das Erleben der Betroffenen zu ergänzen. Die Texte wirken dadurch lebendig und erfüllen zugleich den Anspruch, Geschichte multiperspektivisch zu erschließen.

 

Selbstverständlich besteht gerade durch den positiven Leseeindruck, den flüssigen Schreibstil, die geschlossene textliche Darstellung, die nur durch Bildquellen und wenige Statistiken durchbrochen wird,  sowie die Verlagerung des wissenschaftlichen Apparats in den Anhang die Gefahr, dass die Schüler die Bände unkritisch lesen und Koops Aussagen für „verbindlich“ erachten. Dem kann aber leicht vorgebeugt werden: durch den Hinweis auf die „Relativierung“, die Koop in seinen Einleitungstexten vornimmt, und durch die Empfehlung weiterer, detaillierter Publikationen zu ausgewählten Aspekten der Besatzungszeit.

 

Claudia Tasch im Mai 2010 in Praxis Geschichte, 3/10, westermann

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BERLINER HAUTNAH

"DER LEGENDEN-KILLER"


Der Publizist und Historiker Volker Koop entzaubert Mythen von Rosinenbombern, Werwölfen und guten Russen

 

Die Stätten, zu denen es ihn hinzieht, sind unspektakulär. Wenn man sie von außen betrachtet. Sie verraten nicht, was man in ihnen zu entdecken vermag: verborgene Schätze. Keine güldenen Geschmeide, sondern papierne Zeugen. Wenn sie noch jungfräulich sind und seine Hände als erste über die Seiten streichen, ist Volker Koop glücklich. Dann ahnt der Historiker und Publizist, dass da wieder der Stoff auf ihn wartet, aus dem die Bücher sind. Koops Bücher. Sie haben eine Besonderheit. Volker Koop gilt als „Legenden-Killer“. Er hat ein blaues Hemd angezogen. Das Jackett ruht auf der Bank. Begrüßung mit Handkuss. Ein Kavalier der alten Schule. Die Stimme ist kehlig. Weshalb der Zuhörer noch intensiver an seinen Lippen hängt. Denn was er zu erzählen hat, sind Neuigkeiten von früher. Der 64-Jährige geht der Geschichte auf dem Grund. Wo Kollegen aufhören, wird er erst richtig neugierig. Mitunter erstaunt es ihn selbst, was für Geheimnisse in deutschen Archiven lauern.

 

Er wollte eine Heldengeschichte erzählen. Von Rosinenbombern, die über Berlin donnerten, von hungernden, eingeschlossenen Menschen. Zum 50. Jahrestag der Luftbrücke 1998 sollte sie fertig sein. Monate zuvor saß Volker Koop im Bundesarchiv in Bonn über Dokumenten und traute seinen Augen nicht: „Ich war irritiert, was ich da fand.“ Belege, die vom regen Handel zwischen Ost- und West-Berlin kündeten, vom Schwarzmarkt, von Hamsterfahrten ins Berliner Umland. „Interpretiere ich das falsch?“ Er war sich unsicher. Er fand weitere Zeugnisse, notierte Erkenntnisse, führte akribisch jede Quelle auf. So entstand das „Tagebuch der Berliner Blockade“. Über eine Stadt in den Wirren des Kalten Krieges, die aber nie wirklich ganz abgeriegelt war. „Psychologisch war die Luftbrücke wichtig, aber nicht zur Versorgung der Bevölkerung. 50 Jahre war die Geschichtsschreibung also falsch“, so Koop. „Die zerreißen mich in der Luft“, dachte sich der Autor, als er zur Diskussionsrunde bei „Phoenix“ geladen war, wappnete sich mit Beweisen. Doch die Geschichtsforscher nickten nur. Sie hätten ja auch davon gewusst, es nur nicht geschrieben.

 

„Das ist aber mutig“, erklärte ein Verleger, als er Koops Manuskript „Zwischen Recht und Willkür“ durch hatte. Es handelt von der Roten Armee, die als Befreier kam, zum Besatzer wurde. Von Russen, die stahlen, vergewaltigten, töteten. Eine geheime Analyse des DDR-Ministeriums für Nationale Verteidigung noch von 1988, die Koop erstmals veröffentliche, belegt es. Auch Horst Baer las das Buch. Dann setzte er sich hin, schrieb Koop einen Brief. Ein Hilferuf. Er wusste bislang nicht, wie seine Kinder ums Leben gekommen waren. Volker Koop machte sich auf ins Bundesarchiv in Potsdam. Er las die Vernehmungsprotokolle des russischen Schützen. Wie die Stasi den Mord an den beiden Jungen vertuscht, ihn als Notwehr hingestellt hat. Wie sie ein Netz des Schweigens über den Ort Fürstenberg/Havel legte. Wie sie die Schüler bei der Beerdigung der Brüder bespitzelte. „Zeige ich das alles dem Vater?“, fragte sich Koop. Er tat es. „Es war eine Erlösung für ihn. Er konnte abschließen.“ Horst Baer wusste nun, wo der Russe am 11. Juni 1987 vom Wachturm aus den Jungs (19 und 16) in den Rücken geschossen hatte, als sie Metall für den Schrotthändler am Sperrzaun der Kaserne sammelten. Wo sie lagen, der Uwe und der Christian. Bis heute telefonieren der Vater und der Geschichtsforscher miteinander.

 

Ihm schreiben Menschen aus Brasilien und Tschechien, um die Schicksale der Väter im Krieg aufzuklären. Er spürt die Angst vor der Gewissheit, die Tochter eines Monsters in SS-Uniform zu sein. Als er über die "Werwölfe" recherchierte, fand er das meiste Material in Birthlers Stasiakten-Behörde. 2,3 Kilometer NS-Akten. „Die Partisanen-Elite-Truppe existierte nur in Himmlers Kopf. Es war ein zusammengewürfelter Haufen, militärisch unbedeutend.“

 

Sein 26. Buch erscheint im Herbst. „In Hitlers Hand“ erzählt von prominenten Kriegsgefangenen, die als Faustpfand in Konzentrationslagern, Villen, Schlössern gehalten wurden: Churchills Neffe, de Gaulles Schwester und Nichte, König Leopold III von Belgien...

 

„Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde es schaffen.“ Koops Motto: Er steht mit den Vögeln auf, schreibt zwei Stunden, steht Punkt 8 vor irgendeiner Archiv-Tür, blättert sich drei Stunden durch Aktenberge. Begegnet links und rechts vom Thema anderen Themen, kopiert alles. Die nächsten Bücher hat er schon im Kopf. Ein Werk wurde gerade ins Japanische übersetzt, ein anderes ins Tschechische. So sind die Archive ein Großteil seines Lebens geworden. „Davon kann man nicht mehr lassen“, sagt er. „Ich halte es für wichtig.“ Koop kaufte sich ein Häuschen im Ostseebad Rerik, westlich von Kühlungsborn. 72 Stufen sind es von der Steilküste hinunter zum Meer. Vom Fenster aus sieht er es. Seinen Schreibtisch stellt er so, dass er das Fenster im Rücken hat. „Damit ich beim Schreiben nicht abgelenkt werde.“ Es genügt ihm, dass er das Meer hört. Dass er weiß, dass es da ist.

 

Irina Schrecker am 2. August 2010 im Berliner Kurier

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Volker Koop im Gespräch mit Dr. Michael Appel, BR alpha, 29. Juli 2008. Den Wortlaut des Interviews können Sie als pdf-Datei unter dieser Adresse herunterladen:

www.br-online.de/br-alpha/alpha-forum/alpha-forum-volker-koop-gespraech-ID1213360219727.xml