Bei aller lauthals bekundeten Empörung über den Griff Stalins nach dem freien Teil der Stadt kam ihm die Krise um Berlin durchaus gelegen, denn er stand mitten im Wahlkampf.
Versorgung aus der Luft?
Die treibende Kraft aber war der Gouverneur der amerikanischen Besatzungszone, General Lucius D. Clay: "Wenn wir Europa vor dem Kommunismus schützen wollen, dürfen wir uns nicht von der Stelle rühren". Er hatte den kühnen Plan, den Westteil der Stadt aus der Luft zu versorgen "wie eine belagerte Festung".
Deutsche Politiker in den Westzonen zeigten nur wenig Entschlossenheit beim Kampf um die Freiheit Westberlins: "Berlin wurde als lästiger Kostgänger betrachtet", sagt der Historiker Volker Koop: "Clay war immer wieder derjenige, der die westdeutschen Verantwortlichen mehr oder weniger unter Druck setzte." Daraufhin wurde auf dem Gebiet der künftigen Bundesrepublik die Mineralölsteuer eingeführt, ausdrücklich begrenzt auf die Zeit der Blockade, doch für die Freiheit Berlins damals wird bis heute bezahlt.
Ein Speiseplan für die Millionenstadt
Innerhalb von wenigen Tagen arbeiteten Logistikexperten präzise Pläne aus. Fachleute für Ernährung kalkulierten einen Speiseplan für die Millionstadt: 1750 Kalorien täglich, dehydriert und in Konserven - leicht und deswegen für den Lufttransport geeignet. Mehl für 400 Gramm Brot, 40 Gramm Fleisch, 30 Gramm Fett, 40 Gramm Zucker, 400 Gramm Pulver aus Kartoffeln, Eiern oder Milch - und 5 Gramm Käse. Täglich mindestens 1500 Tonnen Lebensmittel.
Die belagerte Stadt aber brauchte vor allem Kohle. Würden Lufttransporte ausreichen für die Energieversorgung einer Metropole? "Die Luftwaffe kann alles transportieren" - so die Zusage der Regierung in Washington. 75 Prozent des Stroms lieferte bis dato der Osten. Doch der Sowjetsektor schränkte nun die Gas- und Stromversorgung der Westsektoren drastisch ein.
Alle drei Minuten ein Flugzeug
Aus dem anfangs improvisierten Unternehmen wurde eine gigantische Operation, die mit der Präzision eines Uhrwerks ablief. Das "Soll" für die Versorgung der Stadt betrug 5000 Tonnen täglich. Das entsprach einer Ladung von 330 Güterwaggons.
Dazu musste alle drei Minuten eine Maschine auf einem der Berliner Flughäfen landen - Amerikaner und Briten bewiesen, dass dies möglich war. Die Piloten kamen mit ihren Transportflugzeugen aus aller Welt. Kaum in Deutschland angekommen, befanden sie sich im Dauereinsatz. Sie waren übermüdet, einige Flugzeuge stürzten ab.
Mit jedem Tag der Luftbrücke demonstrierte der Westen Stärke, während die Sowjets zunehmend in der Weltöffentlichkeit ihr Ansehen verloren. Überaus geschickt vermochte die US-PR-Maschinerie die Luftbrücke als Glanzleistung der Supermacht des Westens zu verkaufen. Kaum bekannt ist der hohe britische Anteil an der humanitären Aktion: Getreidelieferungen nach Großbritannien wurden umgeleitet, so dass es "in der Zeit der Blockade zu Rationierungen kam", so Koop, "das gab es nicht einmal während des Zweiten Weltkrieges."
Blockade-Ende nach elf Monaten